Was bedeutet nachhaltiger Onlinehandel aus der Sicht deutscher Verbraucher?

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von Mikael Fristedt Westre
Head of Box Inc
May 26, 2021

Durch die Corona-Krise und die damit einhergehenden Schließungen vieler Geschäfte erlebte der Internethandel einen erneuten Boom. Immer wieder kommt in diesem Zusammenhang das Thema Nachhaltigkeit auf. Ist der stationäre Handel wirklich so viel umweltfreundlicher als der Onlinehandel? Glaubt man der kürzlich veröffentlichten Studie von Oliver Wyman und der Logistics Advisory Experts GmbH, ist die Klimabilanz des Onlinehandels tatsächlich besser als die des Offline-Handels. Das liegt vor allem am Energieverbrauch der Gebäude und am Anfahrtsweg der Kunden zum Geschäft. Können Verbraucherinnen und Verbraucher also ohne schlechtes Gewissen weiterhin online einkaufen?

Box Inc führte zusammen mit YouGov im April 2021 eine deutschlandweite Befragung* durch und fand heraus, dass die Befragten genau das Gegenteil der Studie von Oliver Wyman glauben: Sie halten den stationären Handel für wesentlich nachhaltiger. Diese Diskrepanz zeigt, dass der Onlinehandel eine klare Aufgabe hat und zwar Verbraucherinnen und Verbraucher über Nachhaltigkeit aufzuklären und zu zeigen, wie nachhaltig der Onlinehandel in Wirklichkeit ist. Gleichzeitig gilt es aber auch zu verstehen, welche Kriterien noch optimiert werden müssen.

Im Zuge der Studie wollte Box Inc vor allem die Meinung der Verbraucherinnen und Verbraucher zum Thema Nachhaltigkeit im Onlinehandel eruieren: Was bedeutet Nachhaltigkeit für einzelne Personen? Wie kann ihrer Meinung nach Onlinehandel nachhaltiger werden? Um die Komplexität des Nachhaltigkeits-Aspekts im Onlinehandel möglichst umfassend abzubilden, hat Box Inc das Thema von verschiedenen Blickwinkeln aus betrachtet und Faktoren wie Transport, Retouren, Verpackung und Emissionsausgleich einbezogen.

Onlinehandel im Alltag

Die Ergebnisse der Studie zeigen, wie verankert Onlinehandel im alltäglichen Leben ist und welche Vielfalt an Produkten online gekauft wird: Eine Mehrheit der Verbraucherinnen und Verbraucher kauft jährlich Elektronik. Bei Kleidung oder Beautyprodukten ist die Kaufhäufigkeit höher, aber nur wenige geben an, diese wöchentlich zu kaufen, was beim Online-Kauf von Lebensmitteln die höchste Kauffrequenz darstellt.

Online vs. Offline

Rund die Hälfte der Befragten glaubt, dass es nachhaltiger ist, im Ladengeschäft einzukaufen – nur ungefähr jede zehnte Person denkt, dass es nachhaltiger ist, online statt im Geschäft zu kaufen. Hier zeigt sich eine klare Diskrepanz zwischen der faktischen Realität und der Verbrauchermeinung, da die oben genannte Studie von Oliver Wyman genau das Gegenteil beweist.

Ist es nachhaltiger, online oder im Ladengeschäft einzukaufen? 44% sagen im Ladengeschäft. 32% sagen, es sei beides gleich nachhaltig.

Ist der Online-Einkauf eine nachhaltige Art des Einkaufens?

Fast die Hälfte der Verbraucherinnen und Verbraucher glaubt nicht, dass Online-Shopping nachhaltig ist. Auffallend ist, dass fast ein Drittel der Befragten unsicher ist, ob es sich um eine nachhaltige Art des Einkaufens handelt oder nicht. Um herauszufinden, was dazu führt, dass die Befragten denken, es handele sich nicht um nachhaltiges Einkaufen, haben wir genauer hingeschaut.

Ist E-Commerce eine nachhaltige Art einzukaufen? 46% sagen Nein. 28% sagen Ja.

Transport

Der Transport ist einer der Faktoren, die am kritischsten begutachtet werden, wenn es um das Thema Nachhaltigkeit im Onlinehandel geht. Rund die Hälfte der Befragten (49 %) glaubt, dass der Transportweg ihrer Sendung nicht nachhaltig ist. Und doch sind sie der Meinung, dass es viele Möglichkeiten gibt, wie man den Transport einer Onlinebestellung nachhaltiger gestalten kann: 64 % finden, dass eine gesammelte Auslieferung mehrerer bestellter Pakete den Transport nachhaltiger machen würde. 59 % finden einen Transport mit umweltfreundlichen Fahrzeugen, wie zum Beispiel Elektroautos, unerlässlich.

Sind die Sendungen online bestellter Produkte nachhaltig? 49% sagen Nein. 30% sagen, sie wissen es nicht.

Was wurde Online-Bestellungen nachhaltiger machen? 64% sagen das Zusammenfassen mehrerer Sendungen in einer Lieferung.

Retouren

Beim Thema Retouren sind sich Verbraucherinnen und Verbraucher relativ einig: Ganze 73 % glauben, dass vor allem zurückgeschickte Waren den Onlinehandel zu einer nicht nachhaltigen Form des Einkaufens machen. Doch sind Retouren im Onlinehandel unvermeidbar oder gibt es etwas zu verbessern, um Retouren zu vermeiden? Konsumentinnen und Konsumenten glauben, dass durch ausführlichere Informationen zum Produkt (49 %), detaillierte Produktbilder (39 %), Videos des Produktes (29 %) und bereits vergebene Rezensionen (26 %) weniger Waren retourniert werden würden. Über ein Viertel der Befragten (29 %) glauben, dass eine Gebühr für Retouren dazu führen würde, dass weniger Produkte zurückgeschickt werden.

Ist es nachhaltig, online gekaufte Produkte zuruckzusenden? 73 % sagen Nein. 15% sagen, sie wissen es nicht,

Welche Massnahmen wurden dabei helfen, Retouren zu reduzieren? 49% sagen detaillierte Produktinformationen.

Verpackung

Neben Transport und Retouren ist auch die Verpackung ein äußerst wichtiges Kriterium für Nachhaltigkeit im Onlinehandel. Verbraucherinnen und Verbraucher haben vielfältige Ideen, um Online-Sendungen umweltfreundlicher zu machen: Zu den Top 3 gehören recycelbare (57 %) oder Verpackung aus Papier (40 %), zum Beispiel aus Wellpappe oder Karton, sowie die Wiederverwendbarkeit des Pakets für Retouren (53 %). Verpackungen, die für mehrere Sendungen verwendet werden können (52 %) oder zur Größe des bestellten Produkts passen, sind ebenfalls eine Möglichkeit, Verpackungen nachhaltiger zu gestalten. Vor allem sind sich die Verbraucherinnen und Verbraucher einig, wenn es um Plastikverpackungen geht – und zwar, dass diese absolut nicht nachhaltig sind.

Was hat den grössten positiven Einfluss aus die Nachhaltigkeit von Verpackungen aus dem Onlinehandel? 23 % sagen recycelbare Verpackung. 20% sagen mehrmals verwendbare Verpackung.

Was hat den grössten negativen Einfluss auf die Nachhaltigkeit von Verpackungen aus dem Onlinehandel? 68% sagen Verpackung aus Plastik

Emissionsausgleich

Ein interessanter Faktor, wenn man Nachhaltigkeit im Onlinehandel betrachtet, ist das Thema Emissionsausgleich. Der Großteil der Befragten hat ein relativ gutes Verständnis davon, was ein CO2-Fußabdruck bedeutet. Trotz des zunehmenden gesellschaftlichen Diskurses um den CO2-Fußabdruck in den letzten Jahren wissen 25 % aber immer noch nicht, was es damit auf sich hat. Ein überraschend hoher Anteil der Verbraucherinnen und Verbraucher (fast 30 %) wäre bereit, für den CO2-Ausgleich des Transports ihrer Bestellung zu zahlen. Allerdings wäre die Mehrheit nicht daran interessiert, dafür zu bezahlen. Stattdessen erwarten Verbraucherinnen und Verbraucher, dass der Onlinehandel aktiv an der Reduzierung des eigenen CO2-Fußabdrucks arbeitet.

Fazit

Nachhaltigkeit im Onlinehandel ist ein komplexes Thema, das uns in Zukunft weiterhin beschäftigen wird. Faktoren wie Transportmethoden, Retouren und Verpackungen sind für viele Verbraucherinnen und Verbraucher immer noch ein rotes Tuch und führen zu dem Irrglauben, dass Onlinehandel immer die weniger nachhaltige Wahl ist. Bei diesen Faktoren gibt es sicherlich noch Verbesserungspotential. Dennoch hat es der Onlinehandel bereits geschafft, eine nachhaltigere Form des Einkaufens als der stationäre Retail zu sein. Der nächste Schritt ist, die Verbraucherinnen und Verbraucher darüber aufzuklären.

3 Wege, die den Onlinehandel nachhaltiger machen

Um den Onlinehandel künftig noch nachhaltiger zu gestalten und vor allem Verbraucherinnen und Verbrauchern das Gefühl zu vermitteln, dass ihre Sorgen ernst genommen werden, sind noch viele Dinge zu verbessern. Basierend auf dem Einblick in die Meinung deutscher Verbraucherinnen und Verbraucher hat Box Inc 3 Tipps für nachhaltigeren Onlinehandel:

1. Helfen Sie Verbrauchern, Transporte nachhaltiger zu gestalten

Viele Menschen wissen weder, woher ihr Produkte kommen und wie sie zu ihnen gelangen. Online-Retailer sollten versuchen, die Transportwege für ihre Kunden so transparent wie möglich zu gestalten und ihnen mehr Einblick in die Nachhaltigkeitsauswirkungen ihrer Transporte zu geben. Bieten Sie Ihren Kunden die Möglichkeit, ihre Sendungen mit umweltfreundlichen Fahrzeugen ausliefern zu lassen – auch wenn dies mit einem Aufpreis verbunden ist. Stellen Sie sicher, dass die Verbraucherinnen und Verbraucher wissen, was Sie tun, um Retouren zu reduzieren und bieten Sie ihnen Möglichkeiten und Anreize, um Retouren zu reduzieren.

2. Bieten Sie die Möglichkeit, den CO2-Fußabdruck auszugleichen

Immer mehr Verbraucherinnen und Verbraucher sind bereit, für den Ausgleich der Emissionen ihres Online-Einkaufs zu zahlen. Wenn Sie während des Bestellvorgangs aktiv nachfragen, ob die Kompensation des CO2-Fußabdrucks ihres Einkaufs gewünscht ist, trägt dies dazu bei, den Onlinehandel nachhaltiger zu gestalten und gibt Ihren Kunden die Möglichkeit, eine Entscheidung zu treffen.

3. Schaffen Sie Ihre Plastikverpackungen ab und bieten Sie recycelbare und wiederverwendbare Lösungen an

Verbraucherinnen und Verbraucher sind sich vor allem in einem Punkt einig: Sie wollen keine Plastikverpackungen. Stattdessen wollen sie Verpackungen, die recycelt werden können. Verpackungen aus Papier, wie z.B. Wellpappe oder Karton, entsprechen diesem Wunsch und werden als nachhaltige Wahl angesehen. Die Verpackung sollte idealerweise zurückgegeben und für mehrere Sendungen wiederverwendet werden können.

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Wenn Sie mehr über die Studie und die Ergebnisse erfahren möchten, wenden Sie sich bitte an Mikael Fristedt Westre, Head of Box Inc, mikael.fristedt.westre@boxinc.com.

Hier finden Sie unsere offizielle Pressemitteilung. Und hier unsere offiziellen Pressebilder.

* Methodik: Die Studie wurde von YouGov im Auftrag von Box Inc durchgeführt. Die Erhebung fand zwischen dem 21. und 23. April 2021 im Zuge einer Online-Befragung statt. Die Stichprobe bestand aus 2.084 Verbraucherinnen und Verbrauchern in Deutschland.

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Über Mikael
Er ist der Head of Box Inc und denkt daher einfach an alles. Er verfolgt alle Neuigkeiten und Innovationen in der Branche, damit Sie sich im Meer an Verpackungsmaterialien zurechtfinden und nachhaltige Entscheidungen treffen können.